Viel zu oft im Leben vergessen wir, das zu tun, was uns gut tut. Weil alles und alle anderen gerade wichtiger sind, oder weil wir schon gar nicht mehr wissen, wie wir auf unsere innere Stimme hören.
So verrückt es klingen mag: eine Hirntumor-Erkrankung bietet die Möglichkeit, sich hier neu aufzustellen und endlich zu lernen, wie wir auf unseren Körper hören - und ihm und unserer Seele etwas Gutes tun.
Um Dich dabei zu unterstützen, haben wir hier ein praktische Tipps und Dinge gesammelt.
Lass dich inspirieren und finde das, was dir heute guttut. Und wenn Du selbst Tipps hast, schick sie gern an: info@kopfsache-ev.de
Die Diagnose und Therapie eines Hirntumors fordern nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche extrem heraus. In dieser emotionalen Ausnahmesituation ist mentale Unterstützung ein wertvoller Anker im Alltag.
Neben dem Austausch mit Psychoonkolog:innen und Therapeut:innen, gibt es viele andere Wege, Deine innere Widerstandskraft zu stärken, Ängste zu regulieren und Dir Tag für Tag Zuversicht zu schenken.
Denn es ist wichtig, dass Du Deinen Lebensmut bewahrst, auch wenn Dir gerade so gar nicht nach Optimismus ist...
Die Teilnahme an den Treffen einer Selbsthilfegruppe kann hier sehr hilfreich sein und wir laden Dich herzlich ein, es einfach mal zu versuchen.
Darüberhinaus findest Du im Folgenden noch einige, von uns erprobte, Ansätze, die deinen Geist stärken und dich begleitend zu deiner Therapie unterstützen können.
Gedanken-Karussell aufschreiben
Wie es geht: Schreibe Ängste, Grübeleien und Anliegen unzensiert in ein Notizbuch. Sobald Gedanken zu Papier gebracht sind, entlastet das den Kopf, da sie nicht mehr aktiv im Gedächtnis festgehalten werden müssen.
Sanfte, angepasste Bewegung nutzen
Wie es geht: Bleib in Bewegung! Aber passe diese an deine Tagesform und den generellen Gesundheitszustand an. Selbst wenn "Spitzenleistungen" gerade nicht möglich sind: durch moderate Spaziergänge, sanftes Dehnen oder angepasste Yoga-Übungen kannst Du die Durchblutung fördern, Belastungshormone abbauen und die körperliche wie mentale Erschöpfung lindern.
Sinneskanäle entlasten (Auditiv statt Visuell)
Wie es geht: Lesen oder Bildschirme strengen das Gehirn nach Behandlungen oft stark an. Wechsle auf Hörbücher, sanfte Podcasts oder Naturgeräusche, um die Augen und das visuelle Zentrum gezielt zu schonen.
Krankheitsfreie Zonen im Alltag schaffen
Wie es geht: Bestimme feste Zeitfenster, in denen die Erkrankung Pause hat. In diesen Stunden wird bewusst nicht über Arzttermine, Befunde oder Therapien gesprochen, um dem Kopf einen echten Erholungsraum zu bieten.
Atemtechnik & Muskelentspannung nutzen
Wie es geht: Nutze die 4-7-8-Atemtechnik (4 Sek. einatmen, 7 Sek. halten, 8 Sek. ausatmen) oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, um das Nervensystem direkt herunterzuregulieren und Anspannungen zu lösen.
Auszeiten schuldgefühlfrei einplanen
Wie es geht: Trage dir feste Erholungszeiten fest in den Kalender ein. Die eigene mentale und körperliche Gesundheit ist die Grundvoraussetzung, um langfristig eine verlässliche Stütze für den erkrankten Menschen zu sein.
Konkrete Entlastungsaufgaben delegieren
Wie es geht: Führe eine Liste mit klaren Aufgaben (Einkaufen, Kochen, Fahrdienste). Wenn Umfeld oder Freunde Hilfe anbieten, verteile diese pragmatischen Tätigkeiten direkt, um spürbaren Freiraum im Alltag zu schaffen.
Körperliche Stressentladung durch Bewegung
Wie es geht: Wenn Du bereits einen Sport ausübst, super! Versuche diesen auch dann regelmäßig einzuplanen, wenn Du glaubst, es sei Dir eigentlich mit Blick auf Deine vielen Verantwortungen unmöglich. Wenn Du bisher nicht viel Sport getrieben hast, nutze strammes Spazieren oder Radfahren (ggf. auch in einer Gruppe), um aufgestaute Stresshormone wie Cortisol aktiv abzubauen. Bewegung hilft effektiv dabei, den Kopf nach belastenden Situationen wieder frei zu bekommen.
Organisatorische Klarheit schaffen
Wie es geht: Bündele Dokumente, Kontakte, Vollmachten und Medikamentenpläne an einem festen Ort. Zu wissen, dass der administrative Rahmen geregelt ist, nimmt dauerhaften mentalen Druck aus den Gedanken.
Info-Fasten & Reizreduktion praktizieren
Wie es geht: Schränke die eigene Online-Recherche zu medizinischen Themen auf feste Zeiten ein und schalte Benachrichtigungen stumm. Das schützt vor ständiger "Alarmbereitschaft" und gibt dem Nervensystem Ruhe.
Ryan Holiday & Stephen Hanselman – Der tägliche Stoiker
366 Meditationen über Weisheit, Beständigkeit und die Kunst des Lebens
Metadaten: 2016 | Verlag: Portfolio | ISBN: 978-0-7352-1173-5
Kernbotschaft: Das Buch lehrt, Aufmerksamkeit und Energie radikal auf das zu lenken, was im eigenen Einflussbereich liegt: die eigenen Entscheidungen, Reaktionen und Prioritäten.
Bezug zu Hirntumoren: Dieser stoische Ansatz hilft Patienten direkt im Umgang mit Faktoren, die sie nicht kontrollieren können – wie unvorhersehbare MRT-Befunde, neurologische Veränderungen, körperliche Reaktionen auf Therapien oder die allgemeine Ungewissheit über den Krankheitsverlauf.
Leseempfehlung: Perfekt als täglicher, unaufdringlicher Begleiter. Die 366 kurzen Abschnitte erfordern keine langen Phasen der Konzentration. Eine einzige Reflexion am Morgen oder Abend schenkt einen Moment der Erdung und Orientierung.
Ryan Holiday – Der Hindernis-Code
Wie Sie Niederlagen in Siege verwandeln (Originaltitel: The Obstacle Is the Way)
Metadaten: 2014 | Verlag: Portfolio | ISBN: 978-1-59184-635-2
Kernbotschaft: Basierend auf der stoischen Philosophie wird untersucht, wie man auf schwerwiegende Umstände reagiert, die man sich nicht ausgesucht hat. Die zentrale These: Ein Hindernis lässt sich oft nicht beseitigen, aber wie wir darauf reagieren, bleibt unsere Entscheidung.
Bezug zu Hirntumoren: Das Buch unterstützt Betroffene dabei, das Gefühl der eigenen Handlungs- und Selbstwirksamkeit inmitten einer schweren Diagnose nicht zu verlieren und trotz möglicher kognitiver oder körperlicher Einschränkungen seelisch aktiv zu bleiben.
Leseempfehlung: Eine sehr energetische und motivierende Lektüre. Es hilft besonders in Phasen, in denen man neuen Mut fassen, eine Richtung finden oder bewusst Ermutigung zum Weitermachen sucht.
Viktor E. Frankl – Trotzdem Ja zum Leben sagen
Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager (Englische Ausgabe: Man’s Search for Meaning)
Metadaten: 2006 (engl. Ausg.) | Verlag: Beacon Press | ISBN: 978-0-8070-1427-1
Kernbotschaft: Gestützt auf seine traumatischen Erfahrungen als KZ-Häftling und seine Arbeit als Psychiater erforscht Frankl die menschliche Suche nach Sinn unter Extrembedingungen. Er zeigt, was Menschen aufrechterhält, wenn sie unausweichlichem Leid gegenüberstehen.
Bezug zu Hirntumoren: Für Betroffene bedeutet dies nicht, dass die Erkrankung selbst „gut“ oder „sinnvoll“ sein muss. Vielmehr stellt das Buch die Frage: Was gibt meinem Leben jetzt gerade weiterhin Sinn? Dieser Sinn kann in der Liebe, in Beziehungen, schönen Erinnerungen oder in der Würde liegen, mit der man den Veränderungen im eigenen Körper und Geist begegnet.
Leseempfehlung: Tiefgründig und lebensverändernd, wenn Fragen nach Hoffnung, Sterblichkeit und den essenziellen Werten des Lebens im Vordergrund stehen. Da der Bericht emotional sehr fordernd ist, sollte man den Lesezeitpunkt bewusst wählen (psychisch stabile Phasen).
William S. Breitbart (Hrsg.) – Meaning-Centered Psychotherapy in the Cancer Setting
Finding Meaning and Hope in the Face of Suffering
Metadaten: 2016/2017 | Verlag: Oxford University Press | Print-ISBN: 978-0-19-983722-9
Kernbotschaft: Dieses Werk bringt die existenzielle Sinnfrage direkt in die Psychoonkologie und Palliativmedizin. Es zeigt auf, wie Patienten Hoffnung und Identität bewahren können, wenn eine schwere Erkrankung die bisherigen Lebensentwürfe erschüttert hat.
Bezug zu Hirntumoren: Eine zentrale Erkenntnis ist, dass der Hirntumor zwar ein gewichtiger Teil der Realität wird, aber niemals die Gesamtheit dessen ausmacht, wer die Person ist. Gerade wenn die Erkrankung das Denken oder die Persönlichkeit beeinflusst, hilft dieser Ansatz zu verstehen, dass tiefere Sinnquellen wie persönliche Werte, Verbundenheit und das eigene Vermächtnis im Kern intakt bleiben.
Leseempfehlung: Relevante Lektüre bei tiefen Identitätsfragen. Achtung: Es handelt sich um ein fachlich-therapeutisches Buch und eignet sich daher weniger als leichte Lektüre während einer anstrengenden Therapiephase. Es richtet sich eher an Betroffene, die eine sehr fundierte, psychologische Auseinandersetzung suchen.
Eine Chemotherapie, welcher Art auch immer. verlangt deinem Körper extrem viel ab, weshalb Dein Immunsystem jetzt jede Unterstützung braucht, die es bekommen kann:
Nährstoffreiche, frische Mahlzeiten helfen dabei, die Abwehrkräfte zu stärken, gesunde Zellen zu regenerieren und dir Tag für Tag Kraft zu schenken.
Da Medikamente wie Procarbazin und CCNU jedoch spezifische Wechselwirkungen haben – z.B. (bei Procarbazin) die Notwendigkeit einer tyraminarmen Kost –, erfordert der Speiseplan ein wenig Achtsamkeit.
Mit den richtigen Zutaten lässt sich diese medizinische Vorgabe aber ganz unkompliziert erfüllen und Du Dein Gewicht hältst, auch wenn Dir so gar nicht nach Essen oder gar Genuss ist...
Hier sind 4 von uns erprobte Rezepte, die deinen Körper stärken und bestmöglich unterstützen - und sich z.B. bei einer PC-/PCV-Therapie* eignen.
Hafer-Beeren-Brei (Porridge) mit Leinöl und Kürbiskernen
Schont den Magen, liefert Omega-3-Fettsäuren (entzündungshemmend) und Zink für die Abwehrkräfte.
Zutaten: 50g Zartblatt-Haferflocken, 200ml Hafermilch oder normale Milch, 1 Handvoll frische Heidelbeeren (gründlich gewaschen!), 1 TL Leinöl, 1 EL Kürbiskerne.
Zubereitung:
Haferflocken mit der Milch in einem kleinen Topf aufkochen und auf niedriger Stufe 3–5 Minuten zu einem cremigen Brei einkochen.
In eine Schüssel füllen, gewaschene Heidelbeeren und Kürbiskerne unterrühren.
Kurz abkühlen lassen und erst kurz vor dem Essen das wertvolle Leinöl unterrühren (nicht mitkochen).
Frische Kürbis-Süßkartoffel-Cremesuppe mit Ingwer
Perfekt bei reduzierter Appetitneigung, leicht verdaulich und reich an Beta-Carotin (Immunsystem).
Zutaten: 300g Hokkaido-Kürbis, 1 kleine Süßkartoffel, 1 Karotte, 1 kl. Stück frischer Ingwer, 500ml Gemüsebrühe (ohne Hefeextrakt), 2 EL Bio-Frischkäse oder Sahne, etwas Rapsöl.
Zubereitung:
Gemüsesorten schälen/waschen und in kleine Würfel schneiden.
Ingwer fein reiben und kurz in Öl angebunden anrösten, Gemüse dazugeben.
Mit Gemüsebrühe auffüllen und ca. 15 Minuten weich köcheln lassen.
Fein pürieren und den Frischkäse einrühren. Mit etwas Salz und mildem Pfeffer abschmecken.
Quinoa-Gemüse-Pfanne mit frischem Mozzarella
Quinoa liefert alle essenziellen Aminosäuren; frischer Mozzarella ist tyraminarm und gut verträglich.
Zutaten: 60g Quinoa, 1/2 Zucchini, 1 kleine rote Paprika, 1/2 Kugel frischer Mozzarella (in Würfeln), 1 TL Rapsöl, frische Petersilie.
Zubereitung:
Quinoa in einem Sieb heiß abspülen und nach Packungsanleitung in leicht gesalzenem Wasser gar kochen.
Zucchini und Paprika gründlich waschen, würfeln und in Rapsöl knackig anbraten.
Gekochten Quinoa und frische Petersilie unter das Gemüse mischen.
Vom Herd nehmen und die Mozzarellawürfel unterheben, sodass sie leicht schmelzen.
Streng meiden (Tyramin-Gefahr): Reifer Käse (Parmesan, Camembert, Bergkäse), Salami, Schinken, Rotwein, Bier (auch alkoholfrei), Hefeextrakte, Sojasauce, Tofu, Sauerkraut, überreife Bananen/Avocados sowie fette/überreife Früchte.
Erlaubt & Empfohlen: Frischer Hüttenkäse, Quark, Mozzarella, frisches Gemüse, Kartoffeln, Reis, Hafer, frisches Magermischfleisch oder weißer Fisch.
Infektionsschutz (Neutropenie): Wegen des geschwächten Immunsystems alle Zutaten gründlich waschen, Fleisch und Fisch stets voll durchgaren und Speisen immer frisch zubereiten (nicht lange stehen lassen).
Wichtiger Hinweis: Diese Rezepte basieren auf unseren persönlichen Erfahrungen während einer PC-Therapie und ersetzen keine medizinische oder ernährungswissenschaftliche Beratung. Besprich deine Ernährung und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln bitte immer mit deinem behandelnden Ärzteteam, um deine individuellen Blutwerte und deine gesundheitliche Situation bestmöglich zu berücksichtigen.
Veränderungen durch Narben, Haarverlust oder Schwellungen (z. B. durch Kortison) betreffen das eigene Körpergefühl oft stark. Ein paar kleine Dinge können da oft schon helfen, sich besser zu fühlen.
Sobald die Wunde verheilt ist, halten sanfte, unparfümierte Pflegemittel die Haut geschmeidig.
Vor UV-Strahlung schützt ein hoher Lichtschutzfaktor (LSF 50+), eine Baseballcap (ggf. mit einer leichten Mütze drunter) oder ein schöner Sommerhut.
Nach Operationen oder während der Strahlentherapie ist die Kopfhaut oft sehr empfindlich.
Weiche Mützen (z.B. aus Cashmere) oder Tücher (aus Bio-Baumwolle oder Seide) ohne drückende Nähte bieten Schutz und setzen schöne Farbakzente.
Farbige Schals, schöne Ohrringe oder betonte Augenbrauen lenken den Blick auf das Gesicht können helfen, sich im Alltag oder auch bei besonderen Anlässen wieder wohler zu fühlen.
Tipps, um Tücher und Schals so zu binden, dass sie auch während einer laufenden Therapie (z.B. mit TTF) halten, gibt es z.B. hier:
https://www.youtube.com/watch?v=3AIejriocGc&t=141s
Schminktipps gibt es u.a. hier:
https://www.youtube.com/watch?v=_u6EO4tDCyc&t=728s